Wie erzählt man Geschichten von Menschen mit mehr Unterschieden als Gemeinsamkeiten? Man konzentriert sich auf das, was sie und die Zuschauer verbindet. Mariette Sluyter fing an zu backen.

 

Format Macher Zeit Partner
non-lineare, interaktive Webdoku Künstlerin Mariette Sluyter und ein Team aus 32 Leuten Vier Jahre Konzept/Dreh/ Schnitt + 6 Monate Programmierung NGO Carya + National Film Board of Canada

 

 

Kanada lebt in einer bewusst multikulturellen Gesellschaft. Das bringt im Alter Probleme mit sich, da viele Senioren Jahrzehnte in ihrer eigenen Gruppe geblieben sind und so später isoliert den Alltag leben. Als Künstlerin suchte Mariette Sluyter einen Ansatz, um ältere Menschen zusammen zu bringen. Schnell war ihr klar, dass Brot die Lösung ist, da es seit Jahrhunderten Kulturen über Landesgrenzen verbindet. Entstanden ist „Bread“, eine interaktive Doku fürs Internet, die im Juni 2015 online ging.

 

„Geschichten auf traditionelle Arten zu vermitteln funktioniert nicht mehr.“ – Mariette Sluyter

 

Uns beeindruckt bei dieser narrativen Erfahrung, wie das Team es geschafft hat, etwas so Alltägliches wie Brot auf eine emotionale Ebene zu bringen. Das einfache Thema findet sich auch wunderbar wieder im schlichten Webdesign: Keine große Effekte oder Schnörkel lenken vom Kern der Geschichte ab. Dadurch können auch Leser, die technik-unerfahren sind, an „Bread“ teilhaben.

Das Projekt hat einen so universalen Reiz wie die Backware, auf der es basiert. „Wenn wir also das Wissen der Alten im Internet erzählen, können sie zukünftigen Generationen einfacher nutzen.“ sagt Mariette Sluyter. Trotz der Einfachheit ist eindeutig die Hingabe zu erkennen, mit der die Erzählungen der sechs Damen umgesetzt wurden. Die Rezepte zum Nachbacken neben den Portraits sind somit auch eine Liste der Zutaten ihres Lebens und erlauben eine sinnliche Erfahrung über den reinen Text hinaus.

 

 

Mariette Sluyter, *1966 arbeitet als Künstlerin und professionelle Sprecherin in Calgary, Kanada. Foto: Sean Dennie

 

Doch Brot braucht Zeit: „Als wir beim Backen warteten, passierte etwas wunderbares: Die Frauen erzählten berührende und wunderschöne Geschichten.“ sagt Mariette Sluyter. Sie hat mehr als vier Jahre an dem Projekt gearbeitet, zunächst zusammen mit einer sozialen Einrichtung und später mit dem National Film Board, welches die Umsetzung finanzierte. Die lange Zeit diente auch dazu, Vertrauen zu den Protagonisten aufzubauen und das Konzept zu planen.

 

„Bread“ gehört aufgrund seines universellen Anreizes zu den erfolgreichsten Web-Projekten des National Filmboard Canada, welches bisher schon über 5.000 Preise gewinnen konnte – darunter zwölf Oscars. Für Mariette Sluyter und die Protagonisten war die Arbeit auch eine große Bereicherung, wie sie sagt. Sie stehen bis heute in Kontakt.

  Webdoku „Bread“ online (englisch)