Jeden Tag muss Bäckerin Reza Guel ihren Lehmofen anfeuern – denn sie hat ein teures Problem. Doch die Backstube im Kabuler Stadtteil Makroyan ist auch ein Ort der Freiheit für sie und ihre Kundinnen.

 

Format Projektumfang Zeitrahmen Ausstellungspartner
Film-Serie, Webdoku, Multimedia-Ausstellung 4 Kurzfilme,
49 C-Prints
2011-2015 Gesellschaft für Humanistische Fotografie + Freundeskreis Willy-Brandt-Haus

 

Das Porträt von Reza Guel ist Teil der Multimedia-Serie „Die Unbeugsamen“ über vier unterschiedliche afghanische Frauen in einer bewegten Zeit. Unsere Autorin Lela Ahmadzai ist selbst in Afghanistan aufgewachsen. Als Kind brachte sie Teig in genau so eine Bäckerei und wartete mit dem Blick ins Feuer auf das Brot. Seit 2003 besucht sie Afghanistan jedes Jahr und dokumentiert die Entwicklung vor allem der Frauenrechte.

Allein, aber nicht ganz – zur Sicherheit

Lela produziert sämtliches Material selbst – Foto-, Video-, Interview- und Atmo-Aufnahmen. „Das sind eigentlich zu viele Rollen“, gesteht sie. „Aber mittlerweile treffe ich die Entscheidung zwischen Ton, Video und Foto intuitiv. Natürlich würde ich auch in Kabul lieber im Zweier- oder Dreierteam arbeiten. Aber dann müsste ich für die Kollegen übersetzen und mich um ihre Sicherheit kümmern, hätte also gar nicht unbedingt weniger Arbeit.“

 

„Die Verantwortung für einen ausländischen Kollegen wäre eine zusätzliche Belastung.“ – Lela Ahmadzai

 

Ganz alleine ist Lela nicht unterwegs. Meist wird sie von ihrer Tante begleitet. Vor allem, um Entführungen vorzubeugen, etwa in abgelegenen und chaotisch bebauten Gegenden wie Protagonistin Rezas Viertel am Berg. Der „Begleitschutz“ ausländischer Kollegen ist in der Regel männlich, kantig und oft bewaffnet. Nichts für Lela: „So jemand zieht viel Aufmerksamkeit auf sich und verfälscht Situationen, die ich dokumentieren möchte. Auch die Intimität zwischen der Protagonistin und mir wäre wohl weg.“ – Es gibt auch Vorteile, wenn man alleine dreht.

Querfinanzierung ist unumgänglich

Die jährlichen Afghanistan-Reisen muss Lela querfinanzieren – in doppelter Hinsicht: Einige Aufenthalte kann sie mit Aufträgen für Publikationen wie den „Spiegel“ verbinden. Zum anderen ist das Material, das sie mitbringt, flexibel nutzbar: Ihre Fotos werden für Printartikel gekauft, Radiosender nutzen O-Töne, dazu kommen Ausstellungen und Vorträge zum Thema. Dennoch: Lelas Aufwand ist nicht gedeckt. Solche Langzeitprojekte leben von der Leidenschaft und zahlen vor allem aufs Prestige-Konto ein. Indirekt profitiert die Autorin durchaus.

Das Willy-Brandt-Haus in Berlin würdigt „Die Unbeugsamen“ in einer Multimedia-Ausstellung vom 25. November 2015 bis zum 24. Januar 2016. Gleichzeitig werden Afghanistan-Bilder der dort 2014 verstorbenen Anja Niedringhaus gezeigt.