2004 besang Sido das Märkische Viertel im Norden Berlins als „schönstes Ghetto der westlichen Hemisphäre“. Das mit dem Ghetto war schon damals stark übertrieben, heute ist es im „MV“ vor allem ruhig und grün. Nur weiß das keiner.

Format Umfang Zeitrahmen Auftraggeber
non-lineare,
interaktive Webdoku
14 Filme,
5 Scrollstorys
2 Jahre GESOBAU AG

 

Die Webdokumentation „Menschen im Viertel“ ist eine Hommage zum 50. Geburtstag des Märkischen Viertels. Unser Auftraggeber, die städtische Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU, verwaltet dort fast 90% aller Wohnungen. Zielvorgabe: Ein Bild zu vermitteln, das die gängigen Klischees überwindet und Interesse weckt. Und damit zuerst die aktuellen, und im zweiten Schritt mögliche zukünftige Bewohner fürs „MV“ zu begeistern.

Langlebige Klischees vermeiden

Gar nicht so leicht. Denn die Vorstellungen von grauer Trabantenstadt und sozialem Brennpunkt sind langlebig, obwohl das Märkische Viertel weder in der Kriminalitäts- noch der Sozialstrukturstatistik auffällt. Es wurde sogar für nachhaltige Stadtteilsanierung ausgezeichnet. Wer vor Ort ist, sieht vor allem Ruhe und Grün, die charakteristisch aufragenden Fassaden erstrahlen bunt. Aber eben, es kommt ja keiner.

 

Das MV ist ruhig, grün und sogar für nachhaltige Stadtteilsanierung ausgezeichnet. Nur weiß das keiner.

 

Wir haben uns entschieden, die Menschen im Viertel erzählen zu lassen: Sonny Thet, der vom kambodschanischen Prinzen persönlich zum Cellisten bestimmt wurde. Powerfrau Oxana Berger, die ein ganzes Schulsystem selbst aufgebaut hat. Oder die jüngst verstorbene Hadja Kaba, die sich in Deutschland und Guinea gegen Genitalverstümmelung einsetzte. Interaktive Scrollstorys runden die Webdoku zu einem Ganzen ab, das zur Entdeckungsreise durch das MV einlädt, aber auch Servicecharakter besitzt.

Kompromisslos journalistisch erzählt

Dieses Projekt ist für uns beispielhaft: Wir haben hier für ein Unternehmen gearbeitet, aber mit konsequent journalistischen Erzählweisen: Die Porträtfilme sind sehr ähnlich gebaut wie bei unseren berlinfolgen, dazu kommen die Scrollformate – ebenfalls eine Innovation aus dem Journalismus. Entsprechend haben wir auch genauso gearbeitet, wie wir es bei redaktionellen Geschichten tun würden und wie wir es am liebsten tun. Und das funktioniert.

Die besten Geschichten haben wir übrigens sprichwörtlich auf der Straße gefunden. Die Leute sprachen uns an, wenn wir mit Kameras und Mikrofon unterwegs waren, und fast alle kannten jemand, der jemanden kannte, der spannend war. Das MV ist auch ein Dorf.

Hier geht es zur ganzen Webdoku.