Daisy Gilardini hat uns von ihrer Reise erzählt, tief in den Great Bear Rainforest. Dort suchte sie den Kermodebär – eine Art, bei der jedes zehnte Tier mit cremefarbenen Fell geboren wird. Weltweit gibt es weniger als 40 dieser weißen Schwarzbären.

Projekt Idee Drehort Auftraggeber
Photographer’s Voice Fotografen erzählen die Geschichte hinter ihren Bildern Zürich Nikon AG (Schweiz)

 

Über mehrere Jahre hinweg besuchte die Schweizer Naturfotografin Daisy Gilardini häufiger das Waldgebiet an der Westküste von Kanada – auch wenn sie den Bär zu Beginn überhaupt nicht finden konnte. Doch ihre Hartnäckigkeit hat uns überzeugt. Daher haben wir uns bei der Serie Photographers‘ Voice für Nikon bewusst für das Projekt „Spirit Bear“ entschieden. Der Name stammt von den kanadischen Ureinwohnern, die den weißen Bären in ihrer Sprache als „Spirit Bear“ bezeichnen – den „Geisterbären“. Nicht nur seine hohe Seltenheit gibt ihm die Bedeutung, er soll auch laut der Mythologie an die alte Zeit erinnern, als Gletscher den Wald bedeckten und ihn wie den Bär weiß färbten.

 

daisy gilardini

 

Aus unserer Sicht ist es ein außergewöhnliches Projekt, an dem man die Mentalität und die ethischen Grundsätze der Fotografin gut erkennen kann. Denn während andere Wildlife-Fotografen Tiere mit Futter anlocken, um besonders spektakuläre Fotos zu bekommen, lehnt Daisy diese Praxis strikt ab. „In einer Zeit, in der man Bildern grundsätzlich nicht mehr trauen kann, sind die Fotografen und der Entstehungskontext der Bilder sehr wichtig“, sagt unser Geschäftsführer Michael Hauri zu Daisys Arbeit. „Fotografie ist zur Vertrauenssache geworden.“

 

Vom Bär zum Film – Wie wir das Abenteuer der Fotografin erzählen

In der Geschichte gibt es zwei visuelle Ebenen:

1. Die Bilder von Daisy

2. Sie selbst im Interview

Die erste Ebene ist die äußere Reise der Fotografin in den Wald – das Abenteuer. Die zweite Ebene ist ihre innere Reise, die Reflexion und der Rückblick auf das Abenteuer. Durch den Fokus auf allein diese zwei Level reduzieren wir die Geschichte auf das Wesentliche und es entsteht eine innere Dynamik zwischen den beiden Ebenen, die den Film vorantreibt.

Während des Interviews erzählte uns Daisy viele Erlebnisse aus dem Wald, die alle sicher einen eigenen Film verdient hätten. Doch für uns war die direkte, sehr nahe Begegnung mit einem Spirit Bear eindeutig der Höhepunkt. Das Weglassen war trotzdem das Schwierigste.

Der fertige Film wirkt sehr ruhig, für diese Gestaltung haben wir uns ganz bewusst entschieden. Wir nennen das „Entschleunigtes Erzählen“. Das erreichen wir zum Beispiel dadurch, dass wir die Fotos bis zu zehn Sekunden stehen lassen. Auf diese Weise kommt unserer Meinung nach das Werk der Fotografin optimal zur Geltung und die Bilder prägen sich stärker ein.

 

„Der beste Weg, jemanden zu berühren, ist durch ein gutes, starkes Bild“
– Daisy Gilardini

 

Mehr als Tierfotos

Neben Veröffentlichungen in National Geographic und anderen internationalen Zeitschriften werden Daisys Naturbilder heute von Tierschutzorganisationen und bei wissenschaftlichen Vorträgen genutzt. Sie hofft, dass sie damit etwas bewirken kann. Denn der weiße Schwarzbär ist bedroht: Eine der größten Ölfirmen in Kanada möchte eine Pipeline durch den Great Bear Rainforest errichten, um Ölsand abzubauen. Bislang stellt sich die kanadische Regierung dagegen. Sollte die Pipeline doch einmal gebaut werden, stellt sich für Daisy nicht die Frage, ob sich ein Unfall ereignen kann – sondern nur, wann.

Der Film lief bei verschiedenen Online-Medien sowie bei Ausstellungen, Messen und Festivals.

Weitere Filme der Serie „Photographers‘ Voice“ (deutsch)