Ein internationales Team aus über hundert Journalisten, Programmierern, Designern und Cuttern arbeitete mehr als zwei Jahre an „Do Not Track“ – einer interaktiven Webdoku, bei der die Daten des Zuschauers die Hauptrolle spielen.

 

Format Macher Veröffentlichung Partner
Webdoku mit sieben Folgen zwischen 5 und 10 Minuten Sechs verschiedene Regisseure, u.a. Richard Gutjahr und Brett Gaylor Eine Folge alle zwei Wochen zwischen 14. April und 9. Juni 2015 upian, Bayerischer Rundfunk, Arte, National Film Board Canada, zusätzlich auch AJ+, Radio Canada & RTS

 

 

„Do Not Track“ schafft es auf spielerische Weise, das komplexe Thema Datenschutz auf eine persönliche Ebene zu bringen – indem es die Daten des Zuschauers mit in die Narrative einfließen lässt.

Bevor die erste Minute von Folge eins vorbei ist, hat mich „Do Not Track“ bereits erkannt. Die Webdoku weiß, welchen Computer ich benutze, wo ich mich befinde, die Uhrzeit und sogar, wie das Wetter im Moment ist. Durch die direkte Ansprache von Moderator und Regisseur Richard Gutjahr werde ich sofort eingebunden. Direkt danach werde ich gebeten, zwei Webseiten anzugeben, die mein Surfverhalten repräsentieren. Das Projekt zeigt mir anschließend, wie auch diese Seiten Informationen über mich sammeln. Als Beispiel: Bei spiegel.de verfolgen konstant drei Tracker und insgesamt 774 Cookies den Leser.

 

„Jeden Morgen gebe ich mit dem Handy oder dem Computer unzählige Gigabyte über mich preis, ohne gefragt worden zu sein.“
– Richard Gutjahr

 

Die Umsetzung und Menüführung ist angenehm schlicht, es braucht nicht mehr als drei Klicks bis zu einer anderen Folge oder zu weiterführenden Beiträgen, die nach jeder Episode verlinkt werden. In einigen Folgen werden tagesaktuelle Nachrichten oder Tweets eingebunden. So verändert sich das Projekt fortlaufend und kann auch in einigen Jahren noch seine Relevanz beweisen.

Die sieben Episoden wurden von sechs unterschiedlichen Regisseuren gestaltet. Die finale Folge entstand aus den Daten und Ergebnissen der Zuschauer von Folge eins bis sechs. Bei der unterschiedlichen Machart ist es schwierig, genug Gemeinsamkeiten zu haben, die alle Beiträge trotzdem in einem Projekt vereinen können.

 
Do Not Track

 

Die wahre Stärke von „Do Not Track“

Jede Episode folgt trotz unterschiedlicher Länge einer gewissen Formel, die das Interesse konstant halten soll – und dies auch schafft: Nach einem schnellen Beginn gibt es ein interaktives Element, wie zum Beispiel eine kleine Umfrage zum eigenen Nutzerverhalten oder die Aufforderung, eine Seite anzugeben, die man mag oder häufig besucht. Anschließend folgt eine Auswertung dieser Angaben, ergänzt mit zusätzlichen Hintergründen, wie Fakten anderer Nutzer oder ein Interview mit einem Experten. Dieser Wechsel findet in jeder Folge zwei bis dreimal statt.

Die Webdoku zeigt gekonnt, wie man komplexe Sachverhalte interaktiv erzählen kann. Ich habe anschließend tatsächlich lange über mein Verhalten online nachdenken müssen.

Alle sieben Episoden von „Do Not Track“ sind in vier Sprachen auf donottrack-doc.com veröffentlicht. Das Projekt wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem „Best Short Form“ Award der International Documentary Association im Dezember 2015.